Die Teams formieren sich

Der Ball rollt wieder, in den Stadien jubeln Fans. Nach monatelangem Stillstand sind auch im Amateurbereich die Großfeld-Teams wieder auf den Platz zurückgekehrt und suchen ihre Form. Kaum wurden Lockerungen angekündigt, fanden erste Testspiele statt. Wie im letzten Jahr nimmt der kollektive Wahnsinn schnell neue Fahrt auf. Hoffen wir, diesen Herbst besser durch die Viruswelle zu kommen als noch in 2020?

Eineinhalb Spielzeiten sind ausgefallen, eine lange Zeit. Für viele Kinder und Jugendliche eine traurige Leerstelle in der Sportlerbiographie. An was werden sie sich erinnern, wenn sie später an Corona zurückdenken? Werden sie diese Zeit nachträglich als eine Zeit empfinden, in der sich die Welt massiv veränderte? Immerhin gab es nicht so viel Stress in der Schule. Viele berichten, wie entspannt sie die halben Klassenstärken und die Ruhe beim digitalen Lernen empfanden, richtig prima. Na, die neuen Mediensüchtigen sind noch nicht gezählt. Fakt ist, niemand mag oder mochte je seine komplette Klasse.

Im Kinder- und Jugendfußball wissen wir schon lange, dass in kleinen Gruppen effizienter gelernt wird als im großen Haufen. Ein jeder hat mehr Ballkontakte, ist ständig gefordert, trägt mehr Verantwortung und bekommt häufiger Feedback. Sollte die noch nicht existierende Planungsgruppe der neuen bundesdeutschen Bildungsreform ein paar fachdidaktische Inspirationen benötigen, kann sie gerne bei uns in der Kinder- und Jugend-Fußballschule vorbeischauen. Dort liegt alles komplett ausgefertigt und praxiserprobt vor! Schenken wir euch gern!

Am gutem Willen liegt es nicht, eher am vorgeschobenen Argument zu wenig vorhandener Mittel. Ach, du armes Deutschland! Zu wenig Lehrkräfte, zu kleine, marode Schulen. Wie soll man da Bildung und Innovationen für alle voranbringen? Stattdessen versprechen Wahlprogramme schnell neue herzergreifende Kuren für den Mittelstand sowie eine pekuniäre Spielverlagerung des Spitzensteuersatzes auf noch höhere Einkommen. Nicht, dass die rekordverdächtigen Mietsteigerungen und das System anlageträchtiger Immobilienfonds auch noch den gutbürgerlichen Mittelstand in die Not treiben. Reicht doch, dass schon mehr als ein Drittel der hart arbeitenden Bevölkerung auf dem Zahnfleisch geht.

Zum Glück gibt es den Fußball, da wird viel reformiert, umgesetzt und revolutioniert, wenn auch nicht immer auf der Ebene der gan zgroßen Schwerverdiener. Minifußball ist nun fest ins Ausbildungsprogramm des DFB gelangt, auch wenn an der Spitze immer noch Uneinigkeit darüber herrscht, ob man den Amateuren wirklich so viel Spielintelligenz und kognitives Umschaltvermögen zumuten darf wie den Profis. Nein, die Amateure sollten vom profitorientierten System des Profisports besser verschont bleiben, sonst verlieren sie noch den Status der Gemeinnützigkeit. Ist man eigentlich, wenn man keinen Status der Gemeinnützigkeit besitzt, per se das Gegenteil? Gemein-unnützig?

Wie in jedem prekären System wäre es eigentlich ein Leichtes, durch bewusste Lahmlegung des eigenen Betriebs die Fehleranfälligkeit der ganzen Maschine aufzuzeigen, nur um einmal deutlich zu machen, wer eigentlich von wem abhängig ist. Einen Hauch davon haben Eltern und Kinder erlebt, als Kitas und Schulen während der Lockdowns geschlossen blieben. Systemrelevant oder nicht, wenn die eigene berufliche Entfaltungsfreiheit davon abhängt, dass sich andere für ein Mini-Einkommen in guter alter Langzeittradition ausbeuten lassen, dann hilft auch keine kurzfristige Corona-Lockerung mehr. Dann sollte die allgemeine Prioritätenliste überdacht werden.

Stell dir vor, die Mitglieder des größten Verbandes der Welt würde sich dazu entschließen, fürderhin nicht mehr am Wohlauf ihrer Spitzenverdiener teilhaben zu wollen. Zumal ihr sportliches Aushängeschild auch nicht mehr das ist, was es mal war. Sprich sie würden auf die vielen Leistungen und die altväterliche Fürsorge des DFB freiwillig verzichten und stattdessen ihren eigenen Amateur-Armutsverband gründen – wäre das nicht eine grandiose Neuauflage des Bauernaufstandes von 1525?

Nun ja, wir wissen, wie es mit dem Aufwiegler und sozialen Vordenker Thomas Müntzer weiterging. Man hat ihn durchaus bevorzugt behandelt und seinen Schädel nach der Niederschlagung der arglosen Bauern für alle gut sichtbar am Rande des Kampfplatzes aufgespießt. Wer darin irgendeine Ähnlichkeit zu etwaigen hochgerissenen Sieger-Pokalen am Ende großer Turniere sieht, mag auf der motivischen Ebene des Triumphierens recht haben. Aber natürlich lassen wir uns von solch kruden Vergleichen nicht den schönen Sport kaputt machen!

Schön, dass auch die Amateure endlich wieder spielen dürfen, nachdem die Profis ihre Party einfach weitergefeiert haben. Na klar, immer noch günstiger, als durch selbst verschuldeten Bankrott nachträglich vom Staat gerettet werden zu müssen, siehe gemeinnützige Banken oder Lufthansa.

Auf die Fairness!

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AMATEURE lieben das Spiel !