Kreisliga A

Rolle rückwärts

This is not a love song. Es ist nämlich so: Von der Berliner Kreisliga A verstehe ich nicht viel. Noch nicht, ich kenne sie nicht gut genug. Vor einigen Jahren schaute ich mir eine Bezirksliga-Begegnung im Landkreis Hannover an und langweile mich sehr: Abschlag, langer Ball nach vorne, Spekulieren auf den zweiten Ball – das war in etwa das gesamte Offensiv-Repertoire, das beide Teams 90 Minuten lang zelebrierten. Immerhin fiel der Ball nicht immer an der gleichen Stelle vom Himmel. 40 Zuschauer sahen sogar zwei Tore.

Meine eigene aktive Herrenzeit liegt schon einige Jahrzehnte zurück. Mein letztes Spiel bestritt ich kurz vor dem Fall der Mauer. Als sie fiel, lag ich im Krankenhaus mit eingegipstem Knie. Kreuzbandriss mit 20 Jahren – früh genug, um dem Fußball für sehr lange Zeit den Rücken zuzukehren. Dass er mich 25 Jahre später wieder einholte, verdanke ich meinem Sohn, der unbedingt im Verein kicken wollte. Platz gegen Ehrenamt hieß es. Ich musste nicht mal angegeben, welche Liga ich gespielt hatte.

Zu meiner Zeit galt die Kreisliga Landkreis Hannover-Ost zu jenen Orten, die man als Fußballer besser meidet. Bevor man dort landete, hörte man lieber ganz auf mit dem Kicken. Ja, so arrogant waren wir damals – nicht nur in meinem alten Heimatverein, der TSV Burgdorf. Ich habe mir von Jüngeren versichern lassen, dass die aktuelle Berliner Kreisliga A nichts mit meinem deformierten Kreisliga-Geschichtsbild zu tun habe. Sie sei eine sehr respektable Liga, sehr gut aufgestellt und böte attraktiven Fußball. Eine nicht lange zurückliegende Pokalbegegnung der Amateure gegen die Füchse bestätigte mir, dass auch ein Kreisliga-Team weit höher angesiedelten Mannschaften das Leben sehr schwer machen kann.

Für mich gilt es herauszufinden, wo die Wahrheit liegt. Ich werde mir einige Kreisliga-A-Begegnungen anschauen, um diese Rubrik mit Leben zu füllen. Ich wünsche mir nichts sehnlicher als einen exzessiven Kreisliga-Spezialisten (w/d/m) an meiner Seite, der mich in die feinsinnigen Bedeutungssysteme dieser Spielklasse einführt und mir deren komplexe Spiel-Strategien erklärt. Ansonsten bleibt diese Rubrik, die ich für unverzichtbar halte, eine kalte Speise. Zumindest gleichen die heutigen Trainingsanzüge den ästhetischen Vorlieben der 80er-Jahre, so viel erkenne ich bereits wieder.

Nur eines ist klar: Eintritt zu den Spielen zahle ich nicht. Entweder offizielle Presse-Dauerkarte oder für immer kalte Platte – AMA, du hast die Wahl!

Du willst mich zum Spiel begleiten oder für diese Rubrik regelmäßig Content generieren? Super, der Verein lädt dich zu `ner AMA-Bratwurst ein!

Gib mir ein A, gib mir ein M, gib mir ein A - und was heißt das?

AMATEURE lieben das Spiel !